70. Auktion am 2.12.2019

Ankündigung

meine nächste Auktion Historischer Wertpapiere findet am 2. Dezember 2019 statt.

Nachfolgend stelle ich einige der Highlights dieser Auktion vor:

AG für Ofen-Fabrikation vormals Gust. Dankberg
Interims-Schein über 200 Thaler
Berlin, 5.9.1872
Auflage 2.500 (R 11)
Schätzpreis: 3.000,- Euro
Zwecks Beseitigung einer Unterbilanz erfolgte 1879 eine Kapitalreduzierung auf 192.500 Mark, wobei die Aktien von 600 Mark auf 500 Mark umgestempelt wurden. Das Kapital der AG war dann eingeteilt in 385 Aktien à 500 Mark. Gedruckte Signatur des jüdischen Bankiers Leopold Hadra als Präsident des Aufsichtsrats. Hadra war ein aktiver Gründer zahlreicher AG’s.
Gegründet am 5.9.1872 zwecks Übernahme und Fortführung der Ofenfabrik von Gust. Dankberg in der Wilhelmstr. 141 in Berlin und eines tonhaltigen Grundstückes in Velten. Das Gründungkapital bestand aus 500.000 Taler und einer Hypothek von 215.000 Taler. Im Okt, 1885 wurde der Fabrikbetrieb in Berlin wegen der hohen Produktionskosten aufgegeben und im Dezember 1885 in Velten aufgenommen.
Rarität aus Sammlungsauflösung (seit 1984 in der Sammlung).

Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft Hansa
4 % Schuldverschreibung Lit. B über 1.000 Mark
Bremen, 1.10.1888
Blankett (R 12)
Schätzpreis: 2.500,- Euro
Gründung 1881 durch Bremer Kaufleute für die Große Fahrt nach Ostindien, die Mittelmeerfahrt und die Ostseefahrt. 1898 konnten Pläne für regelmäßige Liniendienste nach Portugal, zum La Plata, in den Golf von Mexico und nach Ostindien verwirklicht werden. Nach 1900 besaß die Ges. mit 80 Schiffen die größte Frachtschiffsflotte der Welt! Alles ging als Folge des 1. Weltkriegs verloren. Nach erfolgreichem Wiederaufbau stand die Reederei nach dem 2. Weltkrieg erneut vor dem Nichts, wieder ging sie aller ihrer 53 Frachtschiffe verlustig. Erneut gelang der Wiederaufbau, aber nicht von Dauer: Finanziell zu sehr geschwächt ging die AG nach mehrfachem Auf und Ab letztendlich 1980 doch in Konkurs.
Uns ist nur das eine Stück bekannt, erstmals angeboten.

Gewerkschaft Irmgard
5 % Teilschuldverschreibung Lit. B. über 500 Mark
Berlin, im November 1911
Auflage 1.000 (R 12)
Schätzpreis: 1.000,- Euro
Gegründet 1911 durch Abtrennung von der Gewerkschaft Walter. Das bedeutende Bergwerk gehörte der Deutsche Kaliwerke-Gruppe, zugehörig zum Wintershall-Konzern. Das Kalibergwerk der Gewerkschaft Irmgard liegt knapp 1,6 km nordöstlich von Hauteroda, einer Gemeinde im thüringischen Kyffhäuserkreis, zugehörig zur Verwaltungsgemeinschaft An der Schmücke. Nur etwa 225 m Luftlinie vom Schacht Irmgard entfernt liegt Schacht Walter der gleichnamigen Gewerkschaft. Teufbeginn für Schacht Irmgard war im Jahre 1911. Ende 1912 hatte er seine Endteufe mit 405 m erreicht. Die Gewinnung von Carnallitit, Hartsalz und Steinsalz erfolgte ab 1913. Die bergmännische Abbaumethode war das Kammerbau-Verfahren. Gründungsvater der Gewerkschaft war, wie u. a. auch bei den beiden benachbarten Gewerkschaften Heldrungen I und II, der Industrielle Emil Sauer aus Berlin. Dieser hatte sich bereits mit der Gründung der „Kalibohrgesellschaft Heldrungen“ im Jahre 1897 um die Suche und Erkundung von zum Abbau geeigneter Kalilagerstätten verdient gemacht. Die geförderten Salze wurden per Gleis in die Fabrikanlagen der „Gewerkschaft Heldrungen II“ weitertransportiert und dort verarbeitet. Nach 1945 wurde die Schachtanlage zum Eigentum des Volkes erklärt; 1953 wurde sie vom VEB Kaliwerk „Heinrich Rau“ Roßleben in Rechtsträgerschaft übernommen. Mit Erlass der Verwahrungsanordnung der DDR vom 10.10.1971 wurde der Rat des Bezirkes Halle für eine Vielzahl von Alt-Kalischächten, sogenannte „Grubenbaue alten Bergbaus ohne Rechtsnachfolger“, zuständig; somit auch für Schacht Irmgard. Mit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes galten diese stillgelegten Schächte auch als „stillgelegte Anlagen eines bergbaulichen Gewinnungsbetriebes, für den ein Rechtsnachfolger nicht vorhanden oder nicht mehr feststellbar ist“. (Quelle: Wikipedia)
Uns ist nur das eine Stück bekannt, erstmals angeboten.

Harzer Union AG für Bergbau und Hüttenbetrieb
Actie über 200 Thaler
Hannover, 1.1.1873
Gründeraktie, Auflage 10.000 (R 11)
Schätzpreis: 3.000,- Euro
Gegründet im Boom der Gründerjahre durch die Disconto-Gesellschaft mit einem Kapital von 2 Millionen Thalern (Cours war einst 120, 1876 dann 0). Im Aufsichtsrat saß Friedrich Grillo aus Essen, Vorstand war Chr. Timmermann, der auch bei der Hohenzollern Gesellschaft für Locomotivbau in Düsseldorf, der Eisenbahnwagen-Bauanstalt früher Friedrich Deicke in Braunschweig und der Georg Egestoff’s Salzwerke, chemische und Farbenfabrik in Linden bei Hannover Mitgründer war. Die Fabrik lag in Bad Harzburg (damals als Enklave zum Herzogtum Braunschweig gehörend). Mit Erzeugnissen der Eisengiesserei gewann die “Harzer Union” noch im Jahr 1877 auf der Braunschweigischen Gewerbe-Ausstellung in der zu diesem Zweck umgebauten Ägidienkirche unter der Schirmherrschaft von Herzog Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg eine Bronzene Medaille als Zweiten Preis. Im Börsenhandbuch 1881 dann aufgeführt unter den wertlosen Aktien.
Rarität aus Sammlungsauflösung (seit 1989 in der Sammlung).

New Mercantile Exchange
1 Share
Cape Town, Cape of Good Hope, 1.9.1822
Schätzpreis: 1.000,- Euro
Die Börse von Kapstadt wurde 1817 als erster afrikanischer Markt für Wertpapiere errichtet. Nur zwei Jahre später wurde die New Mercantile Exchange gegründet. Sie sollte den Bau und den Handelsbetrieb eines neuen Börsengebäudes übernehmen. Insgesamt wurden nur 158 Aktien ausgegeben, von denen die Regierung selbst 40 übernahm. 1822 wurden die Interimsscheine gegen Aktien ausgetauscht. Die Börse profitierte in den ersten Jahren stark davon, dass Kapstadt zum Freihafen erklärt worden war. Der große Gold- und Diamantenboom stärkte in den Folgejahren vor allem die Börse in Johannesburg. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann sie die Oberhand, so dass 1890 das Börsengebäude der New Mercantile Exchange wieder abgerissen wurde.
Eine Rarität aus den Anfängen des organisierten Börsenwesens.

Stuttgarter Gypsgeschäft
Actie über 100 Thaler
Stuttgart, 16.5.1873
Gründeraktie, Auflage 600 (R 10)
Schätzpreis: 1.800,- Euro
Gegründet am 11.11.1871. Gewinnung und Vertrieb von Gips zu technischen und landwirtschaftlichen Zwecken. Ursprünglich befand sich die Fabrik in Asperg, 1897 wurde sie nach Stuttgart-Untertürkheim verlegt. Im gleichen Jahr wurde der bis heute betriebene Weinbau mit eigener Kelterei und Kellerei aufgenommen. 1974 Betriebseinstellung und Verpachtung der beiden Gipsfabriken. Seitdem reine Vermögensverwaltungsgesellschaft, bis vor wenigen Jahren in Stuttgart börsennotiert, dann in eine GmbH umgewandelt.
Große Rarität aus einer uralten Sammlung, welche bereits in den 1980er Jahren angelegt wurde.

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