Bonner Renn-Verein, Aktie von 1846

Bonner Renn-Verein, Bonn, Aktie von 1846

Bonner Renn-Verein

Aktie, eingetragen auf Seine Königliche Hoheit Prinz Friedrich Karl von Preußen
Bonn, von 1846
Schätzpreis: 5.000 Euro
Unikat!
Kleinformatiges Papier. Lithographie von Henry & Cohen in Bonn (gegründet 1828, 1937 umbenannt in Bouvier Verlag, 2004 Verkauf der Universitätsbuchhandlung in Bonn an Thalia).

Prinz Friedrich Karl von Preussen (1828-1885), aus innerster Neigung Soldat, ließ er sich von seinem Erzieher, dem späteren Kriegsminister A. von Roon, doch bewegen, als erster preußischer Prinz in Bonn zu studieren. Am 28. April 1846 schrieb sich Prinz Friedrich Karl von Preussen in die Martikel der Universität Bonn ein, der erste unter den preußischen Prinzen, welche später sämmtlich dort studiert haben. Major v. Roon war sein militärischer Begleiter. Er lenkte des Prinzen Studien, bei denen dieser „treffliche Auffassungskraft, aber nicht gerade heroischen Eifer“ zeigte, in die richtige Bahn; sie blieben nicht auf die von ihm bevorzugten kriegswissenschaftlichen Ziele beschränkt, sondern sorgten auch für die allgemeine Bildung des Geistes und des Herzens. Die rheinische Friedrich Wilhelms-Universität übte eine große Anziehungskraft auf die akademische Jugend durch den Ruf berühmter Lehrer, z.B. der Historiker Dahlmann, der Rechtsgelehrte Clemens Th. Perthes, schon zu jener Zeit mit dem nachmaligen General-Feldmarschall Graf Roon in innigster Freundschaft verbunden; Ferdinand Walter, noch ein persönlicher Theilnehmer an den Freiheitskriegen; der Historiker Joh. Wilh. Löbell, die Philologen Friedr. Wilh. Ritschl und Friedr. Gottl. Welcker. Unter den Theologen ragten hervor: August Dorner, Richard Rothe, Friedrich Bleek u. a. Der Prinz hat von Anfang an den Zweck seines Aufenthaltes in Bonn sehr ernst genommen; schon am Tage nach seinem Eintreffen hörte er sein erstes Colleg. Seine persönlichen Anschauungen über die Aufgaben und Ziele, die es hier zu lösen galt, hat er selbst dargelegt in einem Aufsatz aus dem Wintersemester des Jahres 1850, der sich später in seinen hinterlassenen Papieren vorfand. Zunächst verblieb der “rote Prinz” (so wurde er genannt) nun im Cavalleriedienste. Anfangs beim Gardehusarenregimente in Potsdam, seit April 1852 als Oberst und Commandeur des Gardedragonerregiments in Berlin. Zwei Jahre später wurde er zum Commandeur der 1. Gardecavalleriebrigade und zum Generalmajor befördert. Infolge seines leidenschaftlichen Berufseifers im praktischen Dienst avancierte er rasch: 1856 Generalleutnant (Divisionskommandeur Stettin), 1860 Kommandierender General des III. (brandenburgischen) Armeekorps. Als Gegner des Parade- und Gamaschendienstes, der „traurigen Überbleibsel der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts“, erstrebte er in Theorie und Praxis eine Reform der militärischen Ausbildung: Erweckung des „Füsiliergeistes“ (auch bei der Kavallerie) und Stählung des im Soldaten liegenden „vollen kriegerischen Manneswertes“, der moralischen Eigenschaften. Im deutsch-dänischen Kriege 1864 zunächst Befehlshaber der preußischen Truppen (I. Armeekorps), übernahm er nach Wrangels Rücktritt den Oberbefehl über die verbündete preußisch-österreichische Armee (Düppeler Schanzen, Übergang Alsen). Als Oberbefehlshaber der 1. Armee im Krieg von 1866 siegte er bei Münchengrätz, Gitschin und hielt bei Königgrätz (3.7.) dem überlegenen Gegner bis zum Eintreffen des Kronprinzen stand. Seit dem 20.9.1866 war Friedrich Karl von Preußen Inspekteur der Kavallerie. Als Oberbefehlshaber der 2. Armee erfocht er 1870 die Siege von Gravelotte, Vionville, schloß Bazaine in Metz ein, zwang ihn zur Kapitulation und zersprengte, zum Generalfeldmarschall befördert (Oktober), die französische Loirearmee unter Chanzy (Orléans, Le Mans
1871). Mit dem 16.6.1871 wurde der Prinz zum Generalinspekteur der 3. Armeeinspektion ernannt. Mehr Taktiker als Stratege, ein hervorragender Truppenerzieher, als Feldherr ohne Genialität, war Friedrich Karl von Preussen sicher von Entschluß und zähe im Durchhalten. Von ihm ist das Wort überliefert: „Herr, dazu hat Sie der König zum Stabsoffizier gemacht, daß Sie wissen müssen, wann Sie nicht zu gehorchen haben.“

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Gewerkschaft Irmgard, Anleihe von 1911

Gewerkschaft Irmgard - Teilschuldverschreibung Lit. B. über 500 Mark Berlin, im November 1911

Gewerkschaft Irmgard

5 % Teilschuldverschreibung Lit. B. über 500 Mark
Berlin, im November 1911
Auflage 1.000 (R 12)
Schätzpreis: 1.000,- Euro
Gegründet 1911 durch Abtrennung von der Gewerkschaft Walter. Das bedeutende Bergwerk gehörte der Deutsche Kaliwerke-Gruppe, zugehörig zum Wintershall-Konzern. Das Kalibergwerk der Gewerkschaft Irmgard liegt knapp 1,6 km nordöstlich von Hauteroda, einer Gemeinde im thüringischen Kyffhäuserkreis, zugehörig zur Verwaltungsgemeinschaft An der Schmücke. Nur etwa 225 m Luftlinie vom Schacht Irmgard entfernt liegt Schacht Walter der gleichnamigen Gewerkschaft. Teufbeginn für Schacht Irmgard war im Jahre 1911. Ende 1912 hatte er seine Endteufe mit 405 m erreicht. Die Gewinnung von Carnallitit, Hartsalz und Steinsalz erfolgte ab 1913. Die bergmännische Abbaumethode war das Kammerbau-Verfahren. Gründungsvater der Gewerkschaft war, wie u. a. auch bei den beiden benachbarten Gewerkschaften Heldrungen I und II, der Industrielle Emil Sauer aus Berlin. Dieser hatte sich bereits mit der Gründung der „Kalibohrgesellschaft Heldrungen“ im Jahre 1897 um die Suche und Erkundung von zum Abbau geeigneter Kalilagerstätten verdient gemacht. Die geförderten Salze wurden per Gleis in die Fabrikanlagen der „Gewerkschaft Heldrungen II“ weitertransportiert und dort verarbeitet. Nach 1945 wurde die Schachtanlage zum Eigentum des Volkes erklärt; 1953 wurde sie vom VEB Kaliwerk „Heinrich Rau“ Roßleben in Rechtsträgerschaft übernommen. Mit Erlass der Verwahrungsanordnung der DDR vom 10.10.1971 wurde der Rat des Bezirkes Halle für eine Vielzahl von Alt-Kalischächten, sogenannte „Grubenbaue alten Bergbaus ohne Rechtsnachfolger“, zuständig; somit auch für Schacht Irmgard. Mit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes galten diese stillgelegten Schächte auch als „stillgelegte Anlagen eines bergbaulichen Gewinnungsbetriebes, für den ein Rechtsnachfolger nicht vorhanden oder nicht mehr feststellbar ist“. (Quelle: Wikipedia)
Uns ist nur das eine Stück bekannt, erstmals angeboten.

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Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft Hansa

Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft Hansa 4 % Schuldverschreibung Lit. B über 1.000 Mark Bremen, 1.10.1888

Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft Hansa

4 % Schuldverschreibung Lit. B über 1.000 Mark
Bremen, 1.10.1888
Blankett (R 12)
Schätzpreis: 2.500,- Euro
Gründung 1881 durch Bremer Kaufleute für die Große Fahrt nach Ostindien, die Mittelmeerfahrt und die Ostseefahrt. 1898 konnten Pläne für regelmäßige Liniendienste nach Portugal, zum La Plata, in den Golf von Mexico und nach Ostindien verwirklicht werden. Nach 1900 besaß die Ges. mit 80 Schiffen die größte Frachtschiffsflotte der Welt! Alles ging als Folge des 1. Weltkriegs verloren. Nach erfolgreichem Wiederaufbau stand die Reederei nach dem 2. Weltkrieg erneut vor dem Nichts, wieder ging sie aller ihrer 53 Frachtschiffe verlustig. Erneut gelang der Wiederaufbau, aber nicht von Dauer: Finanziell zu sehr geschwächt ging die AG nach mehrfachem Auf und Ab letztendlich 1980 doch in Konkurs.
Uns ist nur das eine Stück bekannt, erstmals angeboten.

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Einblicke

Meine nächste Auktion Historischer Wertpapiere findet am 19. November 2018 statt.

Über 1000 Lose suchen einen neuen Besitzer, dabei viele hochkarätige Raritäten, etliche bisher unbekannte Papiere, auch Unikate.

Besonders interessant: drei Kuxscheine der Gewerkschaft Himmelsfürst Fundgrube hinter Erbisdorf .

Das Silberbergwerk Himmelsfürst Fundgrube im Südwesten des Freiberger Reviers, westlich der Stadt Brand-Erbisdorf gelegen, war das ertragreichste und bekannteste sächsische Erzbergwerk. Die 1572 verliehene Grube Himmelsfürst war für ihre Vorkommen von reinem Silber bekannt. Außerdem wurden hier Blei und Zink gefördert. Bereits vor 1800 betrieb die Grube Tiefbau unterhalb der Stollnsohle. Das Wasser wurde mit einem Kunstgezeug auf die Stollnsohle gehoben.
Bis 1885 erbrachte Himmelsfürst ununterbrochen Ausbeute, insgesamt wurden hier 650 t Silber gefördert. 1749 wurde ein 68 kg schweres Erzstück von reinem Silber im Wert von 2.500 Talern gefunden. Bereits ein Jahr später wurde ein Silberbrocken mit einem Gewicht von 141 kg aufgetan (Wert 4.840 Taler). Solch spektakuläre Funde haben sich mehrmals im Himmelsfürst ereignet. Bereits nach 1800 war die Himmelsfürst Fundgrube das bedeutendste sächsische Silberbergwerk überhaupt. Dank guter Ertragslage war die Grube Himmelsfürst imstande die benachbarten Gruben aufzukaufen und stieg so zu einem großen Unternehmen mit 1770 Bergleuten auf (1885). Zusammen mit der Grube Himmelfahrt produzierte Himmelsfürst alleine 1902 12.000 kg Silber und 17.000 Doppelzentner Blei. Nach dem 2. Weltkrieg führte die SAG Wismut in der Grube Himmelsfürst Erkundungsarbeiten auf Uranerz durch, allerdings ergebnislos. Danach wurde Himmelsfürst von dem VEB Bergbau- und Hüttenkombinat “Albert Funk” in Freiberg übernommen. Das Betriebsende war am 30.9.1969.
Die Grube Himmelsfürst ist auch als Typlokalität (erster Fundort) berühmt geworden. 1886 entdeckte hier Clemens Winkler, ein Chemiker an der Bergakademie Freiberg, das bisher unbekannte Mineral Argyrodit und ein bereits 1871 von Dmitri Mendelejew in seinem Periodensystem vermutete Element (Germanium). In der Grube Himmelsfürst wurden auch die Silberminerale Freieslebenit (1783, 1817), Xanthokon (1797) und das Molybdänsulfid Jordisit (1909) gefunden. Insgesamt fand man in der Grube Himmelsfürst bis heute an die 100 Minerale, darunter Silberminerale Akanthit und Chlorargyrit, die Bleiminerale Galenit und Cerussit, die Zinkminerale Sphalerit und Wurtzit sowie die Schmucksteine Malachit, Opal und Rhodochrosit.

Kuxschein der Grube Himmelsfürst aus dem Jahr 1863, eingetragen auf den König Johann von Sachsen
Kuxschein aus dem Jahr 1863, eingetragen auf den König Johann von Sachsen. Unikat. Museal.

Fürst Johann von Sachsen (1801-1873), vollständiger Name Johann Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus, ab 1854 König von Sachsen. Als König reformierte er bereits 1855 die Justiz, belebte die Wirtschaft dank Erweiterung des Eisenbahnnetzes und Einführung der Gewerbefreiheit. Unter seiner Herrschaft wandelte sich Sachsen zu einem der modernsten deutschen Teilstaaten. Unter dem Einfluss seines Ministers Friedrich Ferdinand von Beust setzte er sich für die Großdeutsche Lösung der Reichseinigung ein. Das Königreich Sachsen kämpfte deshalb 1866 im Deutschen Krieg an der Seite Österreichs.

Kuxschein der Grube Himmelsfürst aus dem Jahr 1874, eingetragen auf den König Albert von Sachsen

Kuxschein aus dem Jahr 1874, eingetragen auf den König Albert von Sachsen, geerbt von seinem Vater Johann (siehe das Stück darüber). Unikat. Museal.

König Albert von Sachsen (1828-1902), vollständiger Name Friedrich August Albert Anton Ferdinand Joseph Karl Maria Baptist Nepomuk Wilhelm Xaver Georg Fidelis von Sachsen. Sohn des Königs Johann von Sachsen. Albert besuchte nach Ablegung der Reifeprüfung 1845 die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo er unter anderem mit Friedrich von Baden zusammentraf und Rechts- und Staatswissenschaften studierte. Der Beginn des Schleswig-Holsteinischen Kriegs war auch der Beginn Alberts militärischer Laufbahn. Er nahm als Hauptmann am Krieg gegen Dänemark teil und zeichnete sich bereits 1849 beim Sturm auf die Düppeler Schanzen aus. „Er erhielt 1851 als Oberst und bald als Generalmajor die Führung einer Infanteriebrigade, einige Jahre später die einer Division und wurde dann Kommandeur der gesamten Infanterie.“ Durch den Tod von König Friedrich August II. im Jahr 1854 bekam Albert den Status des Kronprinzen und wurde verstärkt politisch aktiv. Als Kronprinz übernahm Albert mit dem Friedensschluss 1866 das Kommando über das XII. (I. Königlich Sächsische) Armee-Korps. Albert wurde 1871 durch Wilhelm I. zum ersten nicht-preußischen Generalfeldmarschall ernannt. Nach dem Tod seines Vaters am 29. Oktober 1873 wurde Albert König von Sachsen. Er führte die Einordnung Sachsens in das von Preußen geführte Deutsche Reich fort. Unter seine Regierungszeit fallen unter anderem die Verbesserung der Armenpflege und eine umfassende Reform des Steuerwesens 1878 sowie 1887 die Verlegung der sächsischen Staatsmünze von Dresden nach Muldenhütten, was wohl auch mit der Modernisierung der Grube Himmelsfürst im Zusammenhang stand.

Sensation: Gründeraktie der AG “Weser” von 1872 aufgetaucht

Meine 67. Auktion Historischer Wertpapiere am 23. April 2018

wurde um ein weiteres, wahrlich museales Stück aufgewertet, um die Gründeraktie der AG “Weser” aus dem Jahr 1872.

Es handelt sich dabei um ein bislang nicht katalogisiertes Einzelstück aus Nachlaß einer der vormals größten Werften Europas, während des 2. Weltkrieges eine der größten deutschen Waffenschmieden.

Museale Rarität mit einem Schätzpreis von 15.000 Euro.

Gehe zur Beschreibung des Auktionsloses: 

Auktionshighlight: Gründeraktie der Deutschen Automobilbank

Ein bisher unbekanntes historisches Wertpapier

wurde mir diese Woche zur Auktion eingeliefert.

Die hochdekorative Aktie mit Abbildung von Flugzeug und Automobil hat mich sofort derart verzaubert, dass ich es am liebsten auf dem Katalogumschlag abbilden würden. Allerdings nur wegen graphischer Gestaltung ein Papier als Titelblatt des Kataloges auszuwählen, behagte mir nicht.

Bei einer Aktie aus dem Jahr 1920 von einer mir bislang unbekannten Gesellschaft ging ich davon aus, dass es sich um eine der unzähligen unbedeutenden Gründungen handeln müsste.

Die Recherche zu diesem Stück machte mich allerdings glücklich: vor mir lag nicht nur ein hochdekoratives und äußerst seltenes (Unikat aus Nachlaß!) Wertpapier, sondern auch ein wirtschaftsgeschichtlich sehr interessantes Dokument, welches zudem noch ein Autograph war.

Hier nun die Fakten:

Deutsche Automobilbank AG
Charlottenburg, 8. November 1920
Gründeraktie, Auflage 3.000 (R 12)

Die Aktiengesellschaft wurde gegründet am 24.6.1920 zwecks Betrieb einer Bank, die besonders in der Automobilbranche die erforderlichen Kredite und Kapitalien der Industrie und dem Handel zu günstigen Bedingungen zur Verfügung stellen sollte. Das Geschäft der Bank, die die verheerende Inflationszeit überlebte, stabilisierte sich 1926, als die Reichsbank sich dazu bereit erklärte, Wechsel auf Automobile zu diskontieren, wodurch die Bank weniger Geld bereit stellen musste. Noch im gleichen Jahr erhöhte die Deutsche Automobilbank ihr Aktienkapital von 0,1 auf 1 Mllion RM. Nachdem sie im Ausland (England, Schweiz, USA) Kredite von insgesamt 30 Millionen RM aufnahm, konnte sie monatlich 500 bis 700 Wagen finanzieren.

Ihrer wirtschaftlichen Lage entsprechend lautete die Firmenanschrift nun Palais Blücher, an prominenter Stelle Berlins in unmittelbarer Nachbarschaft zum Brandenburger Tor (bis 1931, als die Vereinigten Staaten das Palais für 1,8 Millionen US-$ von einem Bankier kauften, um dort ihre Botschaft einzurichten).

Die Weltwirtschaftskrise, die mit dem New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 begann, führte schließlich zum Zusammenbruch der Bank, die mit Wirkung zum 1.12.1932 aufgelöst wurde. 1933 konnten noch aus liquiden Mitteln 284.937 RM an die Aktionäre als zinsloses Darlehen ausgezahlt werden.

Die Aktie zieren Faksimilesignaturen des niederländischen Konsuls Jean George als Vorsitzender des Aufsichtsrates und von dem Fabrikbesitzer Max Cudell für den Vorstand. Über seiner gedruckten Signatur setzte Herr Cudell noch eigenhändig eine Unterschrift mit Tinte.

Dem Aufsichtsrat gehörte auch der Chefingenieur Josef Vollmer an, Direktor der Deutschen Automobilkonstruktions-Gesellschaft, ein gerichtlich vereidigter Sachverständiger für die Automobilbranche.

Josef Vollmer gehört, genau so wie Max Cudell, zu den bedeutendsten Pionieren der deutschen Automobilindustrie. Seine Karriere begann Vollmer als Konstrukteur in Gaggenau bei der Firma Bergmanns Industriewerke, ab 1901 leitete er bei der AEG die Automobilabteilung, die NAG. Alle AEG-NAG-Automobile, die bis 1906 hergestellt wurden, konstruierte Joseph Vollmer. Danach gründete er die „Deutsche Automobil-Construktions-Gesellschaft mbH“, von der bis 1936 68 Automobilherstellerfirmen mit Konstruktionsplänen beliefert wurden.

Bereits 1897 gründete Max Cudell in Aachen die „Cudell Motor Compagnie“ zur Produktion von Automobilen nach Lizenzen von De Dion-Bouton, womit er zu einem der allerersten deutschen Automobilproduzenten zählt.

Eines der Produktionsziele von Max Cudell war die höchste Qualität seiner Automobile. Bald verkaufte er seine Fahrzeuge nicht nur innerhalb von Deutschland, sondern weltweit, u.a. nach Österreich, Ungarn (die ungarische Post wurde mit seinen Fahrzeugen ausgestattet), nach Island (das allererste PKW dort war ein Cudell), nach Großbritannien. Sogar in Russland wurden in Lizenz Cudell-Automobile hergestellt. In den USA wurde 1904 ein Cudell für 5 Fahrgäste für den exorbitanten Preis von 4.500 $ von einer New Yorker Niederlassung vertrieben.

In der Fabrik von Max Cudell arbeitete als Chefkonstrukteur der berühmte deutsche Automobilpionier Paul Henze, Gründer der belgischen Imperia. 1929 baute er bei NAG den ersten deutschen V-8-Motor.

Auch der berühmte deutsche Automobilpionier Karl Slevogt begann seine Karriere 1899 als Techniker bei Cudell!

Stimmen Sie mir zu, dass das Stück es verdient hat, auf dem Titelblatt des Auktionskataloges Platz zu nehmen?

Katalog der 67. Auktion am 23.4.2017 - Historische Wertpapiere für Sammler, Historiker, Heimatforscher, Kunstliebhaber und Kapitalanleger. Entdecken auch Sie das faszinierende Hobby mit den besten Zukunftsaussichten!
  67. Auktion am 23.4.2018